Social Entrepreneurship im Franchising

Social Franchising beschreibt eine neue Form eines lang bekannten Geschäftsmodells. Dabei soll nicht nur sozialer Nutzen gestiftet, sondern auch der gesellschaftliche Fortschritt beschleunigt werden.

Der große Unterschied zum bekannten Franchise-Modell besteht in der sozialen Ausrichtung der Unternehmen. Sozial und wirtschaftlich soll sich dabei nicht ausschließen, sondern vielmehr ergänzen. Ein Anlass für uns, drei Fragen an das Vorstandsmitglied des Österreichischen Franchiseverbandes, Mag. Klaus Candussi, zu stellen.

Sie selbst leiten ein Social Franchise und setzen sich im Verband für den Fortschritt in diesem Bereich ein. Wie definieren Sie selbst ein Social Franchise und welche Faktoren müssen Ihrer Meinung nach erfüllt werden, um den genannten sozialen Nutzen zu stiften?

Social Entrepreneurship und Social Franchising ersetzen staatliche Sozialarbeit nicht. Sie sind aber eine sinnvolle Ergänzung überall dort, wo sich gesellschaftliche Wirkung mit unternehmerischen Mitteln erzielen lässt. Die Erzielung gesellschaftlicher Wirkung steht also dabei im Zentrum der Unternehmenstätigkeit.

Instrumente wie der Social Reporting Standard (SRS) sind bestens dazu geeignet, nach innen zu prüfen und nach außen transparent zu machen, ob und wie ein Social Business nicht nur Output und Outcome, sondern auch tatsächlich nachhaltigen Impact erzielt.

Soziales und ökologisches Engagement von Unternehmen laufen oft Gefahr als reine Marketing-Aktion zu enden. Besteht diese Gefahr bei Franchising im selben Maße bzw. wie stellen Sie im Verband sicher, echtes soziales Engagement zu fördern?

Ja, die Praxis des „Greenwashings“ gibt es analog auch bei der sozialen Agenda von Unternehmen. Da wie dort klappt das langfristig nie überzeugend. Bloß „aufgesetzte“ CSR-Projekte werden schnell als solche enttarnt.

„Alle Unternehmen sollten im Sinne des Dreiecks der Nachhaltigkeit neben einer ökonomischen auch eine Umwelt- und eine Sozialbilanz über ihr Tun erstellen müssen.“

Mag. Klaus Candussi, Geschäftsführung atempo & Vorstandsmitglied Österreichischer Franchiseverband
Atempo Claus Candussi

Der Legitimationsdruck wird dabei – zu Recht – immer stärker und professionelle Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt an Wichtigkeit. Ich finde die gegenwärtige Bilanzierungs-Praxis generell unvollständig. Alle Unternehmen sollten im Sinne des Dreiecks der Nachhaltigkeit neben einer ökonomischen auch eine Umwelt- und eine Sozialbilanz über ihr Tun erstellen müssen.

Wie sehen Sie die Zukunft des social Entrepreneurships im Franchising in Österreich? Sind die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen vorhanden? Gibt es konkrete Punkte, an denen gearbeitet werden muss?

Social ist das neue Bio! Social Entrepreneurship und Social Franchise werden deshalb aktuell vielfach als die Zukunfts-Modelle gehypt. Zwei Elemente erscheinen mir dabei wichtig: Erstens: Ja, Franchising eignet sich bestens auch zur Skalierung von social Impact. Und zweitens: Franchising ist genuin als partnerschaftliches Modell angelegt. Bei der Frage, wie man Partnerschaften auf Augenhöhe anlegt, können wir „Socials“ viel Erfahrung in die Szene einbringen.

Für die Politik sehe ich – freundlich ausgedrückt – noch viel Potential nach oben. Wenn man diese neue Form des umfassend nachhaltigen Unternehmertums wirklich haben möchte, sind noch viele Hausaufgaben bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und beim Öko-System für diese neue Szene (Stichworte: Stiftungswesen, Venture Capital) zu erledigen.

Autor: Bernhard Kröll
Bilder: ZVG | Adobe Stock

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