A ufgrund des steigenden Fachkräftemangels wird es für viele Unternehmer in Österreich schwerer, geeignetes Personal zu finden. Wir sprachen daher mit Mag. Maria Smodics-Neumann, Abgeordnete zum Nationalrat, Unternehmerin und führende Funktionärin im Wiener Wirtschafsbund, über die Zukunftsaussichten und die Initiative zur Attraktivierung der Lehre mit Matura.

Man hört derzeit immer öfter vom Fachkräftemangel in Österreich. Wie sehen Sie die Lage?

Es ist sicher richtig, dass viele Unternehmen zurzeit nicht die Arbeitskräfte bekommen, die sie brauchen würden. Ich halte es deshalb mit dem Satz „rechtzeitig drauf schauen, dass man‘s hat wenn man’s braucht.“ Wir müssen jetzt in die Ausbildung von morgen investieren, um den Mangel an Fachkräften einzudämmen. Die Lehrlingsinitiative, die im Zuge des Standortpakets von der Regierung beschlossen wurde, ist, zusätzlich zu den Initiativen der einzelnen Branchen, ein wichtiger Schritt um hier gegenzusteuern.

Was sind die Folgen des Mangels in Österreich?

Wir müssten Know-How teuer aus dem Ausland zukaufen. Das ist natürlich nicht zufriedenstellend, wenn wir gleichzeitig viele Arbeitssuchende in Österreich haben.

Mag. Maria Neumann

Mag. Maria Smodics-Neumann ist Abgeordnete zum Nationalrat, führende Funktionärin im Wiener Wirtschaftsbund, Spartenobfrau Gewerbe und Handwerk der Wiener Wirtschaftskammer, Unternehmerin und Lehrlingsausbildnerin. (Foto: Georges Schneider)

Das Thema „Lehre mit Matura“ könnte die angespannte Lage verbessern?

Ich bin der Meinung, jede Initiative, die die Lust auf eine Fachausbildung steigert, ist zu begrüßen. Im Bereich Lehre mit Matura haben wir im Vergleich jedenfalls noch Aufholbedarf und daher noch viel Potenzial an möglichen Fachkräften der Zukunft. Jeder Lehrling, der dadurch zusätzlich beginnt ist wichtig.

Warum ist eine Lehre nach der Matura für viele ÖsterreicherInnen nicht ausreichend attraktiv?

Ich denke ein Problem ist zurzeit, dass es noch keine eigenen Berufsschulklassen für Maturanten gibt. Diese werden zurzeit mit den anderen Lehrlingen gemeinsam unterrichtet. Man kann sich zwar als Maturant bisher schon viele Lehrinhalte anrechnen lassen, aber wir müssen hier sicher noch nachschärfen. Es muss allgemein im Bereich der Lehrausbildung eine größere Sensibilisierung für Absolventen der AHS und BHS geben. Ein Faktor ist natürlich leider auch, dass ein Studium weiterhin angesehener ist als eine Lehre.

Was machen unsere deutschen Nachbarn anders? In Deutschland haben knapp 27% aller Lehrlinge Abitur, in Österreich nur 2%.

In Deutschland sehen die Jugendlichen das Abitur als Basis ihrer Ausbildung und die Lehre als anschließende spezialisierende Fachausbildung. In Österreich müssen wir diesen Schritt erst bewältigen.

Wie kann also das Thema Lehre nach der Matura für junge ÖsterreicherInnen attraktiver gemacht werden?

Wir müssen Best Practice Beispiele vor den Vorhang holen und Absolventen einer Lehre mit Matura stärker sichtbar machen für die jungen Leute. Viele denken beim Begriff Lehre automatisch an einen handwerklichen Beruf mit eingeschränkten Karrierechancen. Es gibt allerdings viel mehr Lehrberufe in den verschiedensten Arbeitsbereichen. Es ist in der heutigen Berufswelt ein Hochschulabschluss auch keine Jobgarantie mehr und viele Akademiker schlittern in die Arbeitslosigkeit. Man sollte auch durchaus den finanziellen Aspekt hervorheben. In einem Lehrverhältnis verdient man früher eigenes Geld und nach abgeschlossener Ausbildung steigt man auch durchaus höher ein als Absolventen mancher Studienrichtungen.

Wie sehen Sie die Aussichten für die kommenden 5 Jahre?

Ich stelle schon fest, dass langsam ein Umdenken stattfindet. Wir müssen diesen Prozess nutzen, um auch die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wie oben schon kurz angesprochen gibt es im Bereich der Berufsschulen hier Optimierungsbedarf. Eine große Herausforderung stellt auch die Digitalisierung dar. Hier hat die Regierung mit der Lehrlingsinitiative im Standortpaket erste gute Maßnahmen gesetzt, gerade was den Bereich Adaptierung der Lehrinhalte betrifft.

Ist Österreich für den Arbeitsmarkt aus Ihrer Sicht gut für die nächsten Jahre vorbereitet?

Derzeit werden in Österreich nicht nur mehr Lehrlinge gesucht als interessiert sind, sondern auch als geeignet sind für eine Lehre. Diese Lücke müssen wir versuchen zu schließen, dann sind wir, denke ich, ganz gut aufgestellt.

Autorin: Lisa Weber
Bilder: Pixabay | Georges Schneider


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