Digital sozial – der European Youth Award

Digitalisierung und Technologisierung werden in Zukunft eine breite Palette an Lebensbereichen auf den Kopf stellen. Doch wie sieht es mit sozialen und ökologischen Fragestellungen aus? Mit diesen Bereichen beschäftigt sich seit 2012 der European Youth Award. Ein Bewerb, der junge Menschen und deren digitale Projekte fördert, und dabei den gesellschaftlichen Nutzen nie aus den Augen verliert. Wir haben mit Initiator Prof. DDr. Peter Bruck gesprochen.

Wie ist es zur Idee für den European Youth Award gekommen und wo liegt der Ursprung des Projektes?

Der Grundstein zum European Youth Award wurde eigentlich schon 1996/97 gelegt, als ich den Studiengang Multimedia-Art an der FH Salzburg ins Leben gerufen habe. Es ging damals schon darum, die interessantesten Studierendenprojekte vorzustellen und in einen Zusammenhang mit Qualität in Bezug auf drei Dimensionen zu bringen. Dabei ging es um die Qualität in Bezug auf Content, auf User Experience und auf die Qualität in Bezug auf den Social Impact. Diese drei Komponenten sind das, was diese ganze Arbeit seit 1996 bewegt und der EYA ist die Weiterentwicklung davon.

Initiator Prof. Dr. Peter A. Bruck, PhD

Also der gesellschaftliche Nutzen war von Beginn an im Fokus?

Auf jeden Fall. Und immer in Kombination mit Content und User Experience. Das heißt immer in Bezug darauf, was sind die Inhalte, die Message/Botschaft und eben auf die persönliche Erfahrung in Bezug auf Mensch und Applikation.

Was sind Ihre persönlichen Beweggründe dafür, dass Sie sich in diesem Bereich so stark engagieren?

Mich interessiert ganz besonders das gesellschaftliche Bewusstsein junger Leute und wie sie sich auf einer technologischen Ebene kreativ einbringen. Der jüngeren Generation wird ja oft von der älteren unterstellt, sich zu wenig sozial bzw. politisch zu engagieren. Aus meiner Sicht ist das aber ein generationsspezifisches Perspektivenproblem und entspricht nicht der Tatsache.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Jungen extrem engagiert sind und sich durch deren Projekte neue Perspektiven ergeben. Neue Perspektiven vor allem in der Art und Weise wie Menschen miteinander umgehen. Weniger angstvoll in Bezug auf Technologie, weniger Abstrakt in Bezug auf Ideologie und vielmehr konkret in Bezug auf Umsetzung und persönliches Engagement in einem unternehmerischen Sinne. Das zeigt der EYA jedes Jahr auf hervorragende Weise.

Haben sich die Inhalte der Projekte im Zeitverlauf geändert?

Auf jeden Fall. An den aktuellsten Projekten sehen wir, dass wesentlich weniger darauf abgezielt wird, Menschen zu belehren und vielmehr gewisse Probleme transformativ zu verändern. Diese transformative Veränderung ist dabei nicht ein abstraktes Vorhaben, sondern ist oft auf unmittelbare Lebensumstände bezogen.

Manchmal kommt die Motivation aus dem Wunsch einer Hilfestellung für das autistische Kind der Schwester, oder aber auch aus dem Gefühl, dass in Supermärkten zu viele Lebensmittel im Müll landen. Das alles sind Themen bei denen junge Menschen eine Änderung haben wollen und sie wenden dann ganz neue Technologien an – von der Blockchain bis zu Data Driven Personalisation. Das ist sehr spannend und aufregend. Die Jungen sind technologisch so gut drauf wie die großen Automobilhersteller im Thema des autonomen Fahrens.

Soziale und politische Themen unterliegen ja dem Zeitgeist. Sind die gesellschaftlich oft diskutierten Themen auch sofort in den Projekten des EYA erkennbar?

Nein nicht direkt. Aber es ist natürlich so, dass das globale Unwohlsein in Bezug auf die oft zitierten Fake-News in der digitalen Welt und im speziellen der Social Medias heute eine wesentlich größere Rolle spielt als noch vor zwei oder drei Jahren. Außerdem ist klar ersichtlich, dass sich die jungen Leute sehr stark gegen Hass im Netz stellen und dass die Naivität gegenüber dem Internet nicht mehr dem entspricht, wie es noch vor vier oder fünf Jahren war. Der ordnungspolitische Sinn für die digitale Welt ist bei jungen Leuten heute wesentlich mehr vorhanden als noch vor einigen Jahren.

Um etwas konkreter zu werden – gibt es ein aktuelles Beispiel, dass die Wirkungsweise des EYA näherbringt?

Bleiben wir gleich beim vorher erwähnten Beispiel der Hilfestellung für ein autistisches Kind. Drei Frauen haben sich dabei zusammengefunden und ein Bilderbuch für autistische Kinder geschaffen, damit diese besser mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Dieses Bilderbuch wurde technisch gut umgesetzt, aufs Smartphone gebracht und danach nicht nur auf Katalanisch, sondern europäisch ausgerollt.

Das ist ein gutes Beispiel für persönliches Engagement. Die Frauen entdeckten in einer Community einen bestimmten Bedarf und reagierten kreativ und boten eine Lösung an. Technisch transformiert schufen sie ein Businessprojekt und zwar nicht eines, dass auf Profit aus ist, sondern auf eine Hilfestellung in einer ganz konkreten sozialen Situation. Das ist ein ganz gutes Beispiel an dem man sieht was der EYA tut.

Die Themen der Projekte sind von allgemeiner gesellschaftlicher Bedeutung die uns alle und damit auch die Politik betreffen. Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Politik aus?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass jeder der in der Politik ist, jedes Ministerium, jede politische Partei oder politische Organisation, eingeladen ist, ein Partner des EYA zu sein. Da die Themenpalette derart umfangreich ist, gibt es kein Ministerium oder keine Landesregierungsstelle, die nicht mit uns zusammenarbeiten könnte und bei denen man die Themen nicht auch wieder zurückspielen könnte.

Wir haben eine hervorragende Unterstützung in der Stadt Graz. Vom Bürgermeister angefangen bis hin zu den verschiedenen Stadträten. Das ist auch der Grund warum der EYA in Graz ist. Das ist mehr als nur eine Unterstützung, hier gibt es ein Netzwerk von insgesamt 25 Organisationen und Institutionen.

Hier wurde ein Ökosystem geschaffen, das eine europäische Initiative, die auch Afrika miteinbezieht, nicht nur leben sondern florieren lässt. Ein Vorzeigemodell dafür, wie etwas nachhaltig erfolgreich sein kann und einen lokalen Impact hat während auf der europäischen Ebene gespielt wird.

Welche Themen werden bei den TeilnehmerInnen in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Wir müssen uns den Themen stellen, die wirklich ganz groß sind, nämlich die zunehmende Ungleichheit in Bezug auf Reichtum im Lande, den Klimawandel und die Klimakatastrophe die uns droht und vor allem auch dass wir wesentlich nachhaltiger und ökologischer sein müssen. All diese Dinge sind möglich und die jungen Leute des EYA zeigen dass es geht.

Autor: Bernhard Kröll
Bilder: European Youth Award

Infobox

Über den European Youth Award:

Initiiert im Jahr 2012 von Prof. Dr. Peter A. Bruck, PhD, ist der European Youth Award (EYA) heute eine europaweite Initiative für junge Social Entrepreneurs und Start-Up-GründerInnen, die digitale Projekte mit Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. EYA zeigt das Potenzial der Jugend, innovative Lösungen für konkrete gesellschaftliche Probleme zu finden. Teilnahmeberechtigt sind unter 33jährige Menschen aus Europa und der MENA Region.

Zum aktuellen EYA Overall Winning Project 2018:

Zu allen Kategoriesiegern:

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